Palme vor dem Schlafzimmerfenster

Samstag, 15 März 2008 von laborratte

Wie immer lauert der Moloch gleich um die Ecke. Doch heute werden Verkehr, Verschmutzung, Lärm und Elend ausgeblendet. Die Aufmerksamkeit gilt der Palme vor dem Schlafzimmerfenster. Wie der Wind sie schüttelt. Ihre Fächer auseinander weht. Der Horizont sich verfärbt. Das Gewitter vorbei zieht. Ansonsten steht die Welt still. Nichts tun ausser Sein. Die Höchste aller Tätigkeiten! Der Satz könnte von Garfield stammen.

Verkehrsneurotiker

Dienstag, 26 Februar 2008 von laborratte

Der Tag beginnt mit einer rasanten Slalomfahrt. In der Regenzeit steigt der Schwierigkeitsgrad. Täglich lauern neue Schlaglöcher, die es zu umkurven gilt. Und noch erratischere Verkehrsteilnehmer als am Vortag. Eine Stunde Gehupe, Gezeter und Gestank verleiht mir die nötige innere Ruhe für den bevorstehenden Arbeitstag.

Saudade

Sonntag, 10 Februar 2008 von laborratte

Ein verregneter Sonntag unter der Bettdecke in einer hässlichen Stadt. Mit dem Regen kommt die Melancholie oder “das Vergnügen, traurig zu sein” (Victor Hugo). Die Sehnsucht nach Leuten, Orten, Ereignissen und damit verbundenen Gefühlen aus der Vergangenheit. Und die Hoffnung, dass die ferne Zukunft Verlorenes zurückbringt. Um all dies viel treffender auf Portugiesisch auszudrücken, benötigt man genau ein Wort: Saudade.

Kung Hei Fat Choi

Mittwoch, 6 Februar 2008 von laborratte

Das Heim ist geputzt. Die Schulden sind bezahlt. Zwischenmenschliche Differenzen bereinigt. Neue rote Kleider liegen bereit. Blumen schmücken das Haus. Wie immer am Vorabend des chinesischen Neujahrs. Das Jahr der Ratte beginnt in wenigen Stunden. Um Mitternacht werden alle Türen und Fenster geöffnet. Herausgelassen wird das alte Jahr. Hinein kommen Stechmücken.

Hausordnung eines Exzentrikers

Sonntag, 3 Februar 2008 von laborratte

Besucher auf dem Landsitz von Sir George Reresby Sitwell wurden mit der folgenden Bitte empfangen, die auf einem Schild beim Eingang zu lesen war: “Jede Person, die das Haus betritt, wird gebeten, mir niemals zu widersprechen oder sich in irgend einer Weise von mir zu unterscheiden, da dies die Arbeit meiner Magensäfte behindert und mir nachts den Schlaf raubt.”

Die passende Belanglosigkeit

Samstag, 2 Februar 2008 von laborratte

Der Wein fliesst in Strömen. Die Zunge lockert sich. Aber nicht zu sehr. Etikette muss trotzdem gewahrt werden. Man sieht sich ja wieder. Ist vielleicht auf einander angewiesen. Bloss kein Fauxpas. Nur passende Belanglosigkeiten bitte. Small Talk ist anstrengend. So viel Aufwand für so wenig Substanz.

Umgekehrte Psychologie

Samstag, 26 Januar 2008 von laborratte

Die Erde bebt täglich in diesem Teil der Welt. Ob es eine gute Idee ist, das grosse Bauvorhaben Epizentrum zu nennen? Vielleicht empfahl der Feng Shui Meister umgekehrte Psychologie. Im selben Stadtteil verkaufen Strassenhändler Männermagazine während dem Freitagsgebet. Ob hier jemand mit umgekehrter Psychologie den sittlichen Zerfall stoppen will?

Bossa Nova

Donnerstag, 24 Januar 2008 von laborratte

Es gibt sie. Diese Tage, die einem alles abverlangen. Wenn die ganze Schaffenskraft im Laufrad verpufft. Das Lebenselixier auszugehen droht. Verschwende keine Zeit mehr. Greife zum tropischen Wundermittel. Höre Bossa Nova. Spüre die Leichtigkeit des Seins. Und frage dich, ob Gott tatsächlich Brasilianer ist.

Plastiktüte im Wind

Mittwoch, 23 Januar 2008 von laborratte

Auf einmal flog sie vor uns her. Die Plastiktüte aus dem Film American Beauty. An der nächsten Strassenkreuzung wiederholte sich das Schauspiel. Der unsichtbare Dramaturg unseres Heimweges wies auf Wundersames hin.  Umgeben von Armut, Abfall und Abgasen waren beflügelnde Gedanken der einzige Trost.

Der aus der Reihe tanzt

Dienstag, 22 Januar 2008 von laborratte

Zeig mir deinen Arbeitsplatz, und ich sage dir, wer du bist. Ein Rundgang im Labor bringt verschiedene Interessen zum Vorschein: Familienporträts, Kunstwerke, exotische Souvenirs, eingerahmte Doktortitel, Fotos mit Prominenten und sonstige Errungenschaften. Ausser bei V. An dessen Wand hängen Pin-ups. Und in seinem Bücherregal steht der Kinsey-Report über die weibliche Sexualität. Hmmm…